 | Autismus-Therapiezentrum |
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 | Allgemeine Prinzipien für die therapeutische Arbeit Autistische Menschen lernen nicht wie andere Menschen, indem sie motiviert, aktiv und aufmerksam auf das Reizangebot ihrer Umwelt eingehen. Vielmehr rezipieren sie diese Reize häufig als ungeordnet, chaotisch. Sie können den Sinn, die Bedeutung der Umweltreize nicht erkennen und entwickeln daher stereotypes, ritualistisches, selbststimulatorisches Verhalten, das ihnen eine gewisse Sicherheit verschafft. Diesen Teilbereich der Umwelt verstehen sie. Sie verfolgen ihre spezifischen Ziele intensiv, interessieren sich nur für ihre eigenen Themen, aber nicht für das, was Therapeuten oder Bezugspersonen vorgeben. Es ist deshalb zunächst kaum möglich, sie zum Lernen zu motivieren. Im Therapiekonzept müssen diese besonderen Probleme autistischer Kinder berücksichtigt werden, damit ihre Entwicklung entsprechend stimuliert wird. Dies erfordert ein hohes Maß an Strukturiertheit für die Lern-Therapiesituation, eindeutige Aufforderungen und klare Konsequenzen. Solchen Anforderungen werden die Methoden der Verhaltensmodifikation in besonderem Maß gerecht. Ein therapeutisches Vorgehen nach verhaltenstherapeutischen Prinzipien ist daher bei autistischen Menschen besonders erfolgreich. Diese Prinzipien werden einerseits für den Abbau von problematischem Verhalten (Zwänge, selbst- und fremdverletzendes Verhalten, Stereotypien, Ängste) eingesetzt. Die Verhaltenstherapie leistet aber auch wertvolle Hilfe, wenn bestimmte Lernprozesse systematisch aufgebaut werden sollen. Die Grundstrukturen und -regeln eines Lernvorgangs sind: Die Lernumgebung muss strukturiert sein, d.h. es wird zunächst in einem möglichst reizarmen Raum gearbeitet, nur das Lernmaterial befindet sich auf dem Tisch, störende, ablenkende Umweltreize werden ausgeblendet. Dadurch soll die Aufmerksamkeit des Kindes auf die Handlungen des Therapeuten oder auf das Material gelenkt werden.
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 Beispiel Der Therapeut sollte seine Brille ablegen, wenn das Kind dadurch abgelenkt wird, oder die Gardine zuziehen, damit das Kind nicht immer in die Sonne blinzelt. Die Aufgabe, die das Kind erlernen soll, muss in so kleine Schritte zerlegt werden, dass die einzelnen Schritte nacheinander vom Kind gelernt werden können, bis es schließlich die ganze Aufgabe beherrscht. Um dem Kind Erfolgserlebnisse zu verschaffen und ihm zu zeigen, wie es eine bestimmte Handlung durchführen soll, werden ihm bestimmte Hilfen angeboten, die später allmählich wieder ausgeblendet werden. Dies können Zeigegesten auf oder in Richtung des richtigen Gegenstandes (zeige die Tasse), Handführung> oder verbale Hilfen sein. Ein weiterer wichtiger Punkt, wie ein verhaltenstherapeutisches Vorgehen für die Arbeit mit autistischen Menschen bedeutsam werden kann, ist die systematische Anwendung von allgemeinen Lerngesetzen: Handlungen werden häufiger, wenn sie für das Individuum angenehme Folgen haben. Das Kind erhält also für jede seiner Handlungen positive Konsequenzen, das heißt, es lernt, dass seine Handlungen verstanden, belohnt werden. Zu Beginn kann das ein materieller Verstärker sein (Essen, Trinken), später eine Umarmung, ein Lächeln, ein verbales Feedback ("super", "toll"). Da das Kind bei einer neuen Aufgabe zunächst meist nicht weiß, welches Verhalten von ihm erwartet wird, sind angenehme Konsequenzen eine wichtige Orientierungshilfe! |  |  |  |
 Beispiel Der vierjährige nicht-sprechende Hannes soll lernen eine Gebärde für essen zu machen. Kind und Therapeutin sitzen sich gegenüber. Die Therapeutin zeigt Hannes Schokolade, die er besonders gern mag. Therapeutin: Zeige essen. Sie nimmt die Hand des Jungen, formt mit ihm zusammen die Gebärde für Essen. Dann gibt sie ihm ein Stück Schokolade. Die Therapeutin wiederholt diese Sequenz so lange, bis der Junge die Gebärde ohne Hilfe zeigt. Sie lobt ihn, achtet aber auch darauf, dass er die Gebärde möglichst korrekt ausführt. Die Aufforderungen und Fragen der Therapeutin bleiben während der ganzen Zeit dieselben, damit Hannes sich orientieren kann. Erst wenn er die erste Gebärde sicher beherrscht, lernt er eine neue Gebärde. Ziel dieses Programms ist es, dass Hannes in verschiedenen sozialen Situationen seine Wünsche in Gebärdensprache äußern kann und von der Umwelt verstanden wird! Auch beim Abbau von unerwünschtem Verhalten werden die Methoden der Verhaltenstherapie eingesetzt.
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 Beispiel Die 7jährige Lina steht während der Therapiestunde ständig vom Stuhl auf und läuft in eine Ecke des Raumes. Das geschieht so häufig, dass keine Therapie stattfinden kann. Die Therapeutin verändert nun die Therapiesituation: Der Stuhl wird in eine Raumecke gestellt, davor der Tisch. Der Stuhl des Kindes wird so in die Ecke des Raumes gestellt, dass Lina nicht mehr so leicht aufstehen kann. Außerdem werden die Zeiten, in denen sie sitzen bleiben soll, verkürzt. Die Therapeutin versucht Lina mit interessantem Material und Kommunikationsangeboten so zu fesseln, dass sie kaum noch auf die Idee kommt wegzulaufen. Nach einer vorgegebenen Zeit wird sie dazu aufgefordert aufzustehen und darf herumlaufen. Wenn sie sich dann auf Aufforderung wieder an den Tisch setzt, wird sie dafür belohnt. Die Zeiten des Sitzenbleibens werden so allmählich gesteigert, die Pausen verkürzt. Ziel dieses Programms ist es, dass Lina in definierten Phasen ruhig und konzentriert am Tisch mit Lernmaterialien „arbeitet“. Erst wenn das Kind dieses Verhaltensprogramm gelernt hat, kann die Therapeutin andere Lernprogramme durchführen, die nur am Tisch möglich sind.
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