Autismus-Therapiezentrum
Kommunikationsförderung

Viele autistische Menschen entwickeln keine angemessene Sprache und haben, wenn sie sprechen lernen, wenig Interesse, mit ihrer Umwelt zu kommunizieren.

Ein besonders wichtiges Ziel der Kommunikationsförderung ist es daher, das Interesse der Kinder an der Kommunikation zu wecken und ihnen eine Möglichkeit zu geben, sich zu verständigen.

Welches Kommunikationsmedium dabei gewählt wird (Sprache, Gebärde, Bildkarten etc.), hängt von den Fähigkeiten und Möglichkeiten des einzelnen Kindes ab.
Bedeutung der Kommunikation für den Alltag

Autistische Menschen, die die Möglichkeit der Kommunikation mit ihren Bezugspersonen nicht haben, versuchen ihre Wünsche durch Schreien, Zerren, Wutausbrüche, Rückzug, Provokationen oder im Extremfall selbstverletzende Verhaltensweisen auszudrücken. Diese Äußerungen werden häufig von den Bezugspersonen nicht verstanden und bewirken Unsicherheit und Abwehrreaktionen.

Autistische Menschen, die ihrer Umwelt sagen oder zeigen können, was sie möchten oder wie es ihnen geht, werden verstanden, erhalten angemessene Reaktionen, können sich in ihrem sozialen Umfeld besser orientieren. Sie können mitteilen, dass sie durstig sind, Langeweile oder Bauchschmerzen haben. Auf diese Äußerung hin wird etwas geschehen: Die Mutter holt Saft, die Schwester spielt mit ihnen, der Vater gibt ihnen eine Wärmflasche.

Für das Verstehen sozialer Situationen, die Integration in soziale Einrichtungen und die erfolgreiche Interaktion mit anderen Menschen ist die kommunikative Kompetenz der autistischen Menschen von zentraler Bedeutung.
Kommunikative Sprachtherapie

Die kommunikative Sprachtherapie wurde Ende der 80er Jahre im Bremer Therapiezentrum entwickelt. Das Grundprinzip besteht darin, das Kind in eine Situation zu bringen, die eine sprachliche Äußerung (z.B. „Hör auf!“, „Weiter!“, „Mehr!“, „Wo ist der Ball?“) provoziert. Der Therapeut spricht diese Sätze zunächst vor und das Kind spricht sie nach, so genau es ihm möglich ist. Wenn das Kind die Aufforderung oder Frage in etwa verstehbar geäußert hat, führt der Therapeut sofort die Handlung aus, zu der ihn das Kind aufgefordert hat (Er hört auf, macht weiter etc.). Folgende Punkte sind dabei wichtig:
  • Das Kind bestimmt den Ablauf der Handlung durch seine Interessen.
  • Der Therapeut bringt sich ein und wirkt mit. Er versucht eine Interaktion herzustellen, indem er die Handlungsimpulse des Kindes aufnimmt.
  • Seine Aufgabe ist die möglichst treffende Verbalisierung des Bedürfnisses oder der Empfindung des Kindes.
  • Das Kind wiederholt das Vorgesagte zunächst silbenweise, später in größeren Einheiten.
  • Die sprachliche Äußerung des Kindes sollte eine für das Kind anregende Folge haben.

Bei der Durchführung ist auf Folgendes zu achten:
  • Da das Kind die Bedeutung des Gesprochenen verstehen soll, spricht der Therapeut den Satz zunächst vollständig vor.
  • Dann spricht das Kind entweder den ganzen Satz (Wort für Wort) nach oder Silbe für Silbe (Worte oder Silben werden dabei noch einmal einzeln vorgesagt).
  • Das Kind sieht dem Therapeuten beim Nachsprechen auf den Mund.
  • Sobald das Kind die Handlung beherrscht, kann man die Zahl der nachzusprechenden Silben oder Worte erhöhen. Das Kind wird aufgrund der zusätzlichen Übung sicherer in der Artikulation. Die Aussprache wird besser.
  • Wenn das Kind einige Übung hat, werden bekannte Worte nur noch angedeutet, so dass das Kind sie selbständig sprechen muss.
  • Der sprachliche Eingriff in das Spiel, in das Handeln des Kindes, soll so gestaltet werden, dass er als kurzfristige Unterbrechung akzeptiert wird, nicht aber die Motivation des Kindes zerstört.
  • Das Nachgesprochene muss nicht immer deutlich verstehbar sein.
  • Artikulationsübungen können zusätzlich durchgeführt werden. Im Vordergrund steht aber die Kommunikation des Kindes mit dem Therapeuten.
  • Eltern und andere Bezugspersonen werden in die Therapie eingewiesen und angeleitet, mit dem Kind auf diese Weise zu sprechen.

Diese Methode ist allerdings nur für Kinder anwendbar, die lautieren, imitieren und Sprache zumindest teilweise verstehen können.
Unterstützte Kommunikation

Da viele autistische Menschen nicht sprachlich kommunizieren können, muss zunächst mit dem Aufbau nonverbaler kommunikativer Systeme begonnen werden. Dabei werden Elemente aus dem internationalen System "Unterstützte Kommunikation" (AAC) verwendet, um alternative Kommunikationsformen aufzubauen. Folgende Verständigungssysteme werden im Therapiezentrum angeboten:
  • Gebärdensprache
  • Bildkarten-Kommunikation
  • Makaton
  • Sprachcomputer


 
 
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