Autismus-Therapiezentrum
Wahrnehmungsförderung

Da autistische Menschen eine Störung in der Wahrnehmungsverarbeitung haben, muss die Therapie auch in diesem Bereich ansetzen. Die Grundwahrnehmungsbereiche, also das taktile, propriozeptive und vestibuläre System, werden bereits durch die Sensorische Integrationstherapie stimuliert. Es gibt aber Wahrnehmungsbereiche bzw. Sinneskanäle, die durch diese Therapieansätze nicht erreicht werden. Der visuelle(Sehen), auditive (Hören), gustatorische (Schmecken) und olfaktorische(Riechen) Sinn. Förderung findet also in allen genannten Sinnesbereichen statt, allerdings mit unterschiedlicher Gewichtung.
Förderung der taktilen Wahrnehmung

Über das eher passive Berührtwerden hinaus ist es für einen autistischen Menschen wichtig, auch auf einem höheren, kognitiven Niveau taktile Reize kennen zu lernen, zu differenzieren und danach zu handeln. Folgende Übungen können solche Erfahrungen vermitteln:
  • Berühren von unterschiedlichen Oberflächen
  • Arbeiten mit verschiedenen Stoffen wie Kleister, Farbe, Sand, Naturmaterialien, Papier,Folien
  • Unterscheiden von Gegenständen aus einem Tastsack (Gegenstände, Formteile, Klötze mit unterschiedlicher Oberflächenqualität)
  • Verbale Differenzierung von Berührungseigenschaften, Verstehen und Benennen von hart - weich, kalt - warm, glatt - rau etc.
Förderung der visuellen Wahrnehmung

Autistische Kinder orientieren sich besonders gern und intensiv über den Sehsinn und verschaffen sich häufig visuelle Reize. So intensiv sie diesen Sinneskanal benutzen, so gering sind manchmal ihre Fähigkeiten zur optischen Differenzierung. In der Therapie wird daher mit den Kindern geübt:
  • Dinge nach Form, Farbe, Größe sortieren
  • Gleiches zu Gleichem ordnen
  • Muster nachlegen oder fortsetzen
  • Augen und Hände in Beziehung zueinander bringen (Auge-Hand-Koordination)
  • sich an Gesehenes erinnern (Memory, Kim-Spiel)
Förderung der auditiven Wahrnehmung

Gerade beim Hören treten bei autistischen Menschen oft Probleme auf, indem sie über- oder unterempfindlich auf Geräusche reagieren. Sie reagieren aversiv auf bestimmte Geräusche (Mixer, Staubsauger) oder führen sich durch ständiges Klopfen, Summen oder Schreien intensive Hörreize zu. Sie können manchmal nicht unterscheiden, zu welchem Gegenstand ein Geräusch gehört, von wo es kommt, oder können Hintergrundgeräusche nicht ausblenden. Es wird daher mit den Kindern beispielsweise an folgenden Schwerpunkten gearbeitet:
  • Geräusche diskriminieren und zuordnen
  • aufmerksam werden für spezifische Geräusche aus der Umwelt
  • Lärm machen und ertragen
  • Sprachlaute diskriminieren
  • einfache Aufforderungen verstehen und befolgen
Förderung des Riechens und Schmeckens

Viele autistische Kinder haben ungewöhnliche Vorlieben (oder Abneigungen) beim Riechen und Schmecken. Insbesondere wenn Probleme bei der Nahrungsaufnahme (beispielsweise Verweigerung bestimmter Lebensmittel) auftreten, wird mit den Kindern zunächst ein Riechprogramm durchgeführt, bei dem sie lernen, mit Gerüchen umzugehen, sie zu akzeptieren und zu differenzieren. Anschließend werden den Kindern unterschiedliche Geschmacksqualitäten angeboten, so dass sie die Möglichkeit haben, ihr Geschmacksspektrum zu erweitern und neue Nahrungsmittel auszuprobieren.


 
 
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