Autismus-Therapiezentrum
Sozialtraining

Bei autistischen Menschen mit mittlerem bis hohem Funktionsniveau steht das Training der emotionalen und sozialen Fähigkeiten sowie Förderung der Selbständigkeit im Vordergrund. Sie haben Schwierigkeiten, sich in die Situation oder die Gefühle anderer Menschen hineinzuversetzen, sich an Gruppennormen anzupassen. Sie haben Probleme, ihr eigenes Handeln zu strukturieren und zu planen, es fehlt ihnen an Voraussicht. Sie wissen häufig nicht, warum andere Menschen so handeln, wie sie es tun.

Um diese Schwierigkeiten zu bearbeiten, werden folgende Themen angeboten:
  • Reflexion ihres eigenen Verhaltens gegenüber anderen Menschen
  • Kennenlernen sozialer Normen
  • Handeln in den Grenzen sozialer Normen
  • Umgang mit Ängsten und Zwängen
  • Kommunikation mit anderen und vor allem fremden Menschen
  • Verhalten im Verkehr
  • Einkaufstraining
  • Umgang mit Geld
  • Umgang mit Ämtern / Einrichtungen
  • Verhalten in der Öffentlichkeit (Schwimmbädern, Museen, Kinos, Ausstellungen, Restaurants)
  • Teilnahme an Gruppenaktivitäten (Sportverein, Musikgruppen)
  • Selbstversorgung in einer eigenen Wohnung

Um die Fähigkeiten vor Ort einzuüben, wird das soziale Umfeld, d.h. ein Geschäft, die Eisenbahn, der Bus, das Kino oder die Diskothek aufgesucht. Dabei wird deutlich, dass das Verhalten der autistischen Menschen sich normalisiert, wenn sie in ruhiger Therapiesituation oder im Rollenspiel mit Regeln und Anforderungen konfrontiert werden. Dennoch werden sie immer wieder durch geringfügige Veränderungen „aus dem Konzept“ gebracht, verlieren die Orientierung und reagieren (wie früher) mit Angst, Panik und hoher Erregung.
Beispiel

Klaus, 38 Jahre alt, soll immer auf dem Weg von seinem Wohnheim zum Therapiezentrum etwas zum Frühstücken aus der benachbarten Bäckerei mitbringen. Als er zufällig eine Therapeutin des Therapiezentrums auf dem Hinweg in der Eisenbahn trifft, traut er sich nicht, ihr diese Aufgabe mitzuteilen. Sie gehen ohne einzukaufen an der Bäckerei vorbei.

Ein anderes Mal steht er vor dem Autismus-Therapiezentrum zum verabredeten Termin. Er mag aber nicht klingeln; denn sonst ist er schließlich bisher immer mit dem Therapeuten zusammen gekommen und der hat aufgeschlossen! Da ihn keiner vorm Haus stehen sieht und hineinlässt, fährt er (ohne Therapie) wieder nach Hause.


 
 
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